Corona – Eingrenzen statt Ausgrenzen

Bei der morgendlichen Durchsicht der neuesten News zu Corona erfahren wir, dass es der Schweizerische Bundesrat abgelehnt hat, weiterhin minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge von der Insel Lesbos in die Schweiz aufzunehmen.

Am gleichen Tag lesen wir in der TAZ  , dass in Portugal Menschen, die eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt haben – auch Asylsuchende – diese jetzt automatisch erteilt erhalten. Damit werden die Betroffenen bis mindestens zum 1. Juli dieses Jahres in die Sozial- und Krankenversicherung aufgenommen, können arbeiten, Arbeitslosengeld beantragen und ein Bankkonto eröffnen.

Vor einigen Tagen haben wir erfahren, dass Tausende von Grenzgängerinnen aus Italien und Frankreich «unsere» Kranken pflegen. Wir wissen auch, wie viele Gesundheitsfachleute aus anderen EU-Ländern unsere Gesundheitsversorgung sichern. Zudem wissen wir um die Bemühungen des Bundes, die Zehntausenden von Schweizer*innen, die sich auf weltweiten Ferienreisen befinden, ins Land zurückzubringen.

Öffnet die Schweiz öffnet ihre Grenzen für Menschen nur dann, wenn dies ihren sogenannten eigenen Interessen dient? Es stimmt, viele Schweizer Spitäler nehmen schwerkranke Coronapatient*innen aus unseren Nachbarländern auf. Dies ist lobenswert. Offenbar steht es jedoch nicht in unseren eigenen Interessen und zu unserem Nutzen, minderjährige Menschen, die auf der Flucht sind aufzunehmen! Dient es denn wirklich nicht den eigenen Interessen, wenn die Schweiz besonders gefährdete Menschen aufnimmt, die vor Krieg und Gewalt auf der Flucht sind? Ist unser Land nicht auf eine friedliche und sichere Welt ohne Elend angewiesen?

Die Schweiz hat eine besondere Verpflichtung: Sie trägt zahlreiche internationale völkerrechtliche Vereinbarungen mit und sie ist selber Depositarstaat für 79 völkerrechtlich Verträge, darunter auch die Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsopfern.

Im Kleinen erleben wir, wie in unserer von raschem Gewinn, Geiz und Rückzug auf das eigene, private und national geprägten Zeit viele Menschen bereit sind, selbstlos anderen zu helfen. Die Schweiz ist solidarisch. Sie kann es sich leisten. Die öffentliche Hand gibt Gelder in Milliardenhöhe frei um Kleinstgewerbetreibende vor dem Konkurs zu bewahren. Viele Länder verfügen jedoch nicht über dieselben Möglichkeiten, sich zu schützen. Wie wäre es, wenn die Schweiz mit ihren beachtlichen Möglichkeiten Länder und Menschen unterstützt, die sich diesen Schutz nicht leisten können?

-> Wir schlagen vor, dass die Schweiz einen Solidaritätsfond «public health» aus öffentlichen und privaten Mittel äufnet in der Höhe des Wertes, der den Leistungen der ausländischen Gesundheitsfachleute entspricht, die uns in der Schweiz pflegen und die unter Umständen dort, wo sie ausgebildet wurden, fehlen. Mit diesem Fonds kann die Schweiz Menschen unterstützen, die vom Coronavirus oder auch anderen gesundheitlichen Risiken betroffen sind:
– Die Schweiz könnte Afghanistan darin unterstützen, die aus dem Iran zurückkehrenden Menschen zu betreuen und das Land vor zusätzlichen Virusinfektionen zu schützen.
– Mit dem Geld könnte die Schweiz mehrere Tausend auf Lesbos dem Virus schutzlos ausgelieferte Flüchtlinge aufnehmen, sie ausbilden und Rückkehrhilfe bieten.
-In der Schweiz kann der Fonds oft schlecht verdienenden alleinerziehenden Frauen mit hausexterner Kinderpflege helfen.

Die Schweiz muss solidarisch mit den Benachteiligten bleiben, global und zuhause, in ihrem eigenen Interesse, über die momentane Krisenzeit hinaus!

Was denkt Ihr zu diesem Vorschlag? Was gäbe es zu ergänzen, anzupassen, zu erweitern?

4 Kommentare zu „Corona – Eingrenzen statt Ausgrenzen“

  1. Hallo Manuel und Regula; ich begrüsse eure Idee. Mit den Bildern und Zahlen €7054 komme ich nicht ganz klar. Herzlich Rolf Steiner

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  2. Liebe Regula, lieber Manuel
    Danke für eure Gedankenarbeit. Ich finde das, was ihr skizziert, eine ganz sinnvolle und ansprechende Idee. Der kritische Punkt wird sein, den Wert der Leistungen des ausländischen Pflegepersonals zu beziffern. Entspricht dies den früheren Ausbildungskosten (die wir uns in der Schweiz sparen konnten) oder den laufenden Lohnkosten des ausländischen Pflegepersonals? Oder beziehen wir uns auf die Pflegekosten, die ein Spital oder eine Spitex-Organisation pro aus dem Ausland stammenden Pflegefachkraft in Rechnung stellt? Oder wie können und wollen wir den Wert von Gesundheitsleistungen sonst messen? Letztlich gelangen wir da zur Frage, wie viel Wert ein gerettetes Menschenleben ist.
    Ich helfe gerne mit, diese Idee weiter zu entwickeln, zu klären, ob wir uns auf Input, Prozess oder Output beziehen wollen.
    Herzlich
    Ernst Bolliger

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  3. Kommentar von Madeleine E. Grimm Köppel und Austausch

    Lieber Manuel
    Liebe Regula

    Über ähnliches und gleiches bin ich ‚gestolpert‘.
    Es hat mich nachdenklich gestimmt, weshalb unsere ‚Medien‘ kaum darüber informieren!
    Wütend bin ich über die Situation in Griechenland, die wir und die EU mitverantworten und dies schon ‚überüberüberlängst‘!
    Viel Unrecht kommt nun offen zu Tage aufgrund der Corona-Krise.

    Zeit hätten wir, um über eine bessere Welt nachzudenken (siehe Karikatur unten aus der heutigen (Republik‘).
    Der Solidaritätsfond ‚public health‘ würde publik machen, wer uns, die Italiener oder Spanier etc. unterstützt in der Corona-Krise.
    Kuba beispielsweise, aufgrund der US-Sanktionen bangen, dass ihre aller notwendigsten Medikamentenbestandteile ausgehen……….
    Nehmen ohne zu geben? Neuer Menschenhandel auf hohem Niveau? Wann nur wird die Welt besser?

    Bleibt dran und ich unterstützte euch.

    Antwort Manuel und Regula Flury-Wahlen

    Liebe Madeleine,

    ja, jetzt hätten wir alle Zeit, über eine bessere Welt nachzudenken und zu beginnen. Portugal macht etwas vor, das Anlass zur Hoffnung gibt, die Hunderten von Solidaritätsaktionen hier in unseren Landen ebenfalls. Danke vielmals für Deine Gedanken.
    Noch bleiben wir bzw. bleibt die Schweiz in den eigenen Grenzen gefangen, insbesondere den gedanklichen Grenzen. Die Kosten für 5000 Leute aus Lesbos beispielsweise würden unserer Wirtschaft und unserem Land einen Klacks kosten, vielleicht 50 oder 100 Millionen oder so, inkl. Rückkehrhilfe, gerade mal ein knappes Promille des Betrags, den der Bundesrat eben gesprochen hat und dabei sind ja 40 Millionen erst noch rückzahlbare Kredite!

    Antwort von Madeleine

    Eben, lieber Manuel, wir bräuchten mehr demokratische Mitbestimmung
    und funktionierende Infrastrukturen, die Risiken abdecken, z.B. Solidaritätsfonds ‚public health‘! 

    Allgemein müssten Unternehmen verstärkt auf das Gemeinwohl
    verpflichtet werden (Entlassungswelle). Was ist das für eine Demokratie,
    die Kredite an Unternehmen ‚verteilt‘ ohne diese an Verpflichtungen zu binden?

    Wäre das demokratisches Recht und mehr Freiheit für alle in einer reichen Schweiz?

    Herzlich
    Madeleine Grimm

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