Sponsoring – hoch im Kurs

Sponsoring ist hoch im Kurs und in diesen Wochen in den Schlagzeilen, nicht zuletzt wegen des Sponsoring des Schweizer Auftritts an der Weltausstellung 2020 in Dubai.

Ohne Sponsoring gäbe es kaum eine bewegte und kreative Kultur-, Kunst- und Sportwelt. Es sind die Möglichkeiten und Mittel der Sponsor*innen – der unzähligen Kulturfonds, der Wirtschaftsunternehmungen, der reichen Privatleuten mit ihren Vorlieben und Interessen, aber auch der öffentlichen Hand – welche Veranstaltungen von Kunstschaffenden und Vereinen ermöglichen.

Das Sponsoring öffentlicher Aufgaben durch private Geldgeber*innen ist nicht unbedingt neu, es ist jedoch von einer besonderen Bedeutung. Die Finanzierung von Lehrstühlen an öffentlichen Universitäten durch Private etwa ist kontrovers. Es geht um den Einfluss dieser oft privatwirtschaftlichen Geldgeber*innen  mit ihren spezifischen Interessen. Öffentliche Universitäten sind der Öffentlichkeit, also den Steuerzahlenden verpflichtet, es sind letztlich die Bürgerinnen und Bürger und die von ihnen gewählten Parlamente, die darüber entscheiden, was diese Institutionen forschen und lehren sollen. Mit dem Sponsoring von privater Seite kommen nun  Interessen ins Spiel, die sich der demokratischen Einflussnahme entziehen.

Die Kontroverse um das Sponsoring des Auftritts der offiziellen Schweiz in Dubai durch Philipp Morris – 1.8 Millionen der gesuchten 7.5 Millionen Sponsorgeldern (50 Prozent des Gesamtbudgets) sollte dieser Tabakkonzern beisteuern – muss uns als Demokrat*innen und Bürger*innen dieses Landes kümmern. Die Empörung in den Medien und Teilen der Politik ist erfreulich. Allen Kommentaren blieb unwidersprochen: Mit Philipp Morris als wichtigem Sponsor wird das Profil der Schweiz in Dubai mit Nikotin «vergiftet», das Profil der Schweiz trägt dasjenige der wichtigen Sponsoren mit. Interessant ist dabei die Meinung von höchster Stellen der Verwaltung. Es sei gut, dass die Hälfte aus privaten Mitteln finanziert werde, «nur verlieren wir so einen Teil der Kontrolle» zitierte das St. Galler Tagblatt am 31.7.2019.

In einem weiteren Fall wurde bekannt (DIE ZEIT No29 / 2019), dass Interpol, die vor fast hundert Jahren gegründete internationale kriminalpolizeiliche Organisation (mit 194 Mitgliedstaaten) eigens zur Generierung von Sponsorgeldern eine Stiftung (mit Sitz in der Schweiz) aufgebaut hat. Diese Konstruktion ermöglicht, dass die Geldgeber*innen nicht bekannt gemacht werden müssen. Damit wird den Bürger*innen von 194 Staaten dieser Welt verschwiegen, wer das Geld für Interpol und unter welchen Bedingungen zur Verfügung stellt. Deren Interessen bleiben verborgen.

Und als drittes Beispiel die internationale landwirtschaftliche Forschung: In 15 in einem Konsortium zusammengeschlossenen Forschungsanstalten werden nicht nur neue Pflanzensorten gezüchtet, es werden auch umfassende Anbausysteme, z.B. in Trockengebieten und unter Berücksichtigung der agrarökologischen Bedingungen erforscht. Das Jahresbudget des Konsortiums beträgt heute rund 1 Milliarde US Dollar. Nun soll dieses Budget mit viel privatem Geld, unter anderem von der Stiftung von Bill und Melinda Gates, verdoppelt werden. Diese Mittel sollen einzig der Entwicklung von ertragreicherem und trockenheitsresistenterem Saatgut dienen. Dieser eingeschränkte Blick auf verbessertes Saatgut ausgewählter Pflanzen wird von vielen Fachleuten kritisiert. Die Forschung solle sich auch mit den ökologischen und sozialen Fragen der Landwirtschaft beschäftigen, wird gefordert. Dafür sehen aber Bill und Melinda Gates keine Mittel vor. «Wer zahlt, befiehlt» scheint sich auch in diesem Fall zu manifestieren, das private Sponsoring bestimmt die Agenda der öffentlichen Forschung.

Privates Sponsoring bestimmt die Agenda unserer Welt, wenige Leute bestimmen nicht nur, wo im Finanzmarkt ihre Reichtümer angelegt werden sollen, nein, sie bestimmen auch, welche Forschung betrieben wird oder, wie im Falle der Weltausstellung in Dubai, welche Botschaft die Schweiz im Jahre 2020 der Welt mitteilen wird. In diesem Zusammenhang ist interessant zu wissen, dass Philipp Morris die Schweizer Botschaften weltweit eingeladen hat, sich in ihren jeweiligen Gastländern dafür einzusetzen, dass der Konzern in relevanten (gesundheitspolitischen) Gesetzgebungsverfahren angehört wird. Wie die on-line Zeitung «Republik» am 31.7.19 mitgeteilt hat, ist die Schweiz entsprechend und offiziell bei den Behörden eines osteuropäischen Landes vorstellig geworden. Welches Interesse hat die öffentliche Schweiz an der Mitwirkung eines Tabak-Konzerns in gesundheitspolitischen Angelegenheiten eines Drittlandes?

Es kann und darf nicht sein, dass die Wahrung wirtschaftlicher Interessen der Schweiz den grundlegenden Werten entgegensteht, welche unser Land hoch hält, wie beispielsweise diejenigen im Zusammenhang mit den Menschenrechten oder der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen .

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