Und was es jetzt (noch) zu tun gilt

 «Nach dem Frauenstreik ist vor dem Frauenstreik», so vieles gibt es noch gerade zu biegen, damit die Gleichstellung von Frau und Mann Wirklichkeit werden kann.

Zu denken gibt uns …

Die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, welche der Ständerat vor einigen Tagen beschlossen hat, wurden mit dem Argument bekämpft, dieser Urlaub würde die Wirtschaft mehrere hundert Millionen Franken kosten. Zum Nutzen, auch dem volkswirtschaftlichen, hat niemand auch nur ein Wort verloren. Interessanterweise spricht niemand von den volkswirtschaftlichen Kosten demotivierter Mitarbeiter*innen. Die regelmässigen Umfragen beim Bundespersonal ergeben immer wieder, dass bis gegen 10 Prozent der Mitarbeitenden «abgelöscht», ohne Motivation und destruktiv eingestellt sind. Und wir wissen, dass sich dieses Destruktive kaum gegen aussen als viel mehr gegen innen richtet. Ein Elternurlaub wie eine Teilzeitbeschäftigung sind wichtige «Motivationsspritzen», diese Leute sind konstruktiv, motiviert und schaffen, wirtschaftlich ausgedrückt, einen Nutzen. Also sprechen wir doch auch vom volkswirtschaftlichen Nutzen von Vater- resp. Elternurlaub und Teilzeitarbeit!

Die Tatsache, dass Care-Arbeit, also Haushalt- und Kinderarbeit (oder auch: reproduktive Arbeit) nicht bezahlt ist, ist seit Jahren ein Stein des Anstosses. Die Regel zumindest bei Ehepaaren mit Errungenschaftsbeteiligung sagt, dass jeder von einem der beiden Partner* verdiente Franken grundsätzlich und von Gesetzes wegen zur Hälfte dem anderen Partner* gehört. Könnten denn die Löhne nicht direkt je zur Hälfte auf die persönlichen Bankkonti der beiden Partner* überwiesen werden? Damit wäre doch gleich die unbezahlte reproduktive Arbeit zu Hause bezahlt, oder etwa nicht?

Auch in der öffentlichen Verwaltung mit den strikten Lohnskalen verbleiben einige Prozente ungleicher Löhne nicht erklärt. Kürzlich wurde in einer amtsinternen Information mitgeteilt, dass die Leistungsprämien äusserst ungleich verteilt würden, deutlich mehr Prämien würden den Männern gewährt. Wie kommt dies? Eine Überlegung betrifft die sogenannt «unteren Chargen», das Assistenzpersonal mit unterstützenden Funktionen. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Frauen. Wie kann eine Assistentin eine ausserordentliche Leistung zeigen, wenn sie doch genau die ihr vergebenen Aufträge erfüllen muss? Wie kann sie in der Ziel-und Leistungsvereinbarung ihre Ziele übererfüllen, wenn genau dies nicht in ihrem Pflichtenheft vorgesehen ist? Besondere Leistungen und übererfüllte Ziele werden jedoch von den qualifizierteren Personen und dem Kader erwartet und dies sind in der Mehrheit Männer. So vergrössern sich die Unterschiede in den Entschädigungen, «systembedingt»! Auch dem Assistenz- resp. Supportpersonal soll die Möglichkeit zu besonderen Leistungen ausdrücklich offenstehen!

Und noch ein weiteres: Das Assistenzpersonal – wie erwähnt mehrheitlich Frauen – arbeitet oft mit sogenannten Mischpflichtenheften, einer Kombination von verschiedenen Aufgaben, die unterschiedliche Qualifikationen verlangen, dabei auch «einfachere» Aufgaben. Diese Mitarbeitenden werden nun nicht gemäss ihrer anforderungsreichsten Tätigkeit in die entsprechende Funktionsklasse eingeteilt, nein, es wird eine Durchschnittrechnung gemacht, z.B. 50 Prozent höher qualifiziert in der Lohnklasse 21 und 50 Prozent für die weniger qualifizierte Arbeit in der Lohnklasse 15 macht dann gemäss Adam Riese eine Einteilung in Lohnklasse 17! Diese Praxis wird jedoch in höheren Positionen, wo vorwiegend Männer arbeiten, nicht entsprechend gehandhabt. Als Abteilungsleiter erledige ich während meiner Tätigkeit Aufgaben, die unterschiedliche Qualifikationen erfordern, trotzdem werde ich in diejenige Lohnklasse eingeteilt, die den höchsten Anforderungen entspricht.

Also, der nächste Frauenstreik oder Marsch für Gleichberechtigung muss mitgedacht und in die politische Auseinandersetzung einbezogen werden. Und: Für die (uns) Männer bedeutet Gleichberechtigung nicht, den Frauen den Platz in Gesellschaft und Wirtschaft zu überlassen, nein, es geht (weiterhin) darum, die gesellschaftliche (oft unbezahlte) und wirtschaftliche (vielfach bezahlte) Arbeit zu teilen.

 

 

 

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