Wir wollen keine Almosen, wir haben Rechte

 

Displayed in the African Union Conference Hall

In Deutschland und in Frankreich wird heftig darüber diskutiert, ob aus Afrika geraubte koloniale Kunst zurückgegeben werden soll. Der französische Präsident hat dazu aufgefordert, so viele gestohlene Kulturgüter zurückzugeben wie möglich. Medienwirksam verkündete er Ende vergangenen Jahres, Frankreich werde unverzüglich 26 Werke an Benin zurückgeben.

 

Die ZEIT berichtete in ihrer ersten Ausgabe im neuen Jahr über ein Treffen von afrikanischen Museumsfachleuten in Dar-es-Salaam, interessanterweise vom lokalen Goethe Institut veranstaltet. Ihre Diskussion drehte sich um die Rückgabe von Kulturgütern.

Der Autor des ZEIT-Artikels zitiert einige der Fachleute:

  • »Die ganze Debatte, die jetzt über die Rückgabe der afrikanischen Kunstwerke aus Europa tobt, geht doch völlig an uns vorbei. Der Fokus sollte nicht auf den europäischen Museen liegen, sondern auf uns, auf dem, was in Afrika geschieht. Unsere Wünsche und Interessen spielen aber offenbar keine Rolle. Wer hat uns eigentlich gefragt, was wir Afrikaner wollen?« sagt die Museumspädagogin eines Nationalmuseums.
  • »Das Wichtigste, was uns die Europäer weggenommen haben, waren keine Objekte. Sie haben das afrikanische Selbstbewusstsein ausgelöscht«, sagt der Moderator der Diskussion.
    Performance during Conference in Addis Ababa (UN)

    »Der Kolonialismus hat unser Selbstwertgefühl zerstört. Manche Afrikaner wollten sogar wie die Deutschen sein, anstatt an unsere eigene Kultur zu denken. Jetzt ist es Zeit, die gestohlene Identität zu reparieren.«
    Man misstraut dem französischen Präsidenten. Warum bloß sollte er den Afrikanern Geschenke machen? Ist das nicht eine politische Finte? »Wir wollen keine Almosen, wir haben Rechte« fordert die Museumspädagogin.

  • Eine Kuratorin findet, die europäischen Museen sollten die Artefakte aus kolonialen Zeiten umwidmen. Künftig, sagt sie, müssten die Dinge als afrikanisches Eigentum gelten – ohne allerdings zwingend nach Afrika verbracht zu werden. »Es sind unsere Objekte – egal wo.« und die Museumspädagogin erwidert: »Auf die Rückgabe kommt es gar nicht so sehr an«. Ihr geht es um Dialog und darum, die Geschichte umzuschreiben. »Wir wollen nicht nur Objekte von den Deutschen. Wir wollen mit ihnen die Vergangenheit erforschen und gemeinsam neu erzählen.«

Was für eine Einladung, die Vergangenheit gemeinsam zu erforschen! Auch die Schweiz, ohne eine Kolonialmacht im herkömmlichen Sinne gewesen zu sein, hat eine Vergangenheit in und eine Geschichte mit Afrika: Denken wir an die Missionen, die vielfältigen Beziehungen zum Apartheitsregime oder an den Finanzplatzes mit den unredlich erworbenen Millionen von Potentaten.

Picture: Manuel Flury 1986

Stellen wir uns vor:
Wir erforschen gemeinsam die vergangenen 50 Jahre Entwicklungshilfe resp. -zusammenarbeit und erzählen nicht die Geschichte der Almosen sondern diejenige der Rechte.

Um diese Diskussion führen zu können, müssen wir zuerst eine gemeinsame Sprache finden.
Diese ist im Zusammenhang mit den geraubten Kulturgütern offenbar noch nicht gefunden.

Namibian piece of art

Links:
Grundlage zum Blogbeitrag: Artikel „Wir wollen keine Almosen …“ in Die ZEIT 1/2019 (kostenlose  Registrierung wird verlangt)
Bericht an den französischen Präsidenten und Grundlage der allgemeine Debate: Report „The Resititution of African Cultural Heritage“ B. Savoy and F. Sarr

 

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