Mut statt Wut

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Wutbürger*innen sind das von rechtsbürgerlichen Politstrategen sorgfältig gepflegte politische Klientel. Politische Parteien und Parlamentarier hüben wie drüben, auch Staats- und Regierungspräsidenten, fischen in diesen Gewässern. Wut – auf irgendjemanden – zu bewirtschaften bedingt ein Fundament an Ängsten (vor unsicherer Zukunft) zu schüren und dafür Verantwortliche anzuprangern, Migrant*innen zuallererst. Wut zerstört, Wut ist eindimensional, Wütige sind nicht in der Lage, Konsequenzen zu bedenken, geschweige denn über Alternativen nachzudenken. Wütige sind blind und taub, verstehen nur die eigenen Nöte und diejenigen der ihresgleichen.

Wut wird zu einer erpresserischen Waffe im politischen Kampf, im Sinne eines Alles oder Nichts. Wutbürger*innen werden für totalitäres politisches Handeln missbraucht, ja gar davon erzeugt. Wutbürger*innen sind nur wütig. Sie sind Gefangene ihrer Wut. Sie vermögen nichts Weiteres zu tun, als wütig zu sein, allenfalls ihre Wut an irgendetwas oder irgendjemandem auszulassen. Eine andere Herangehensweise an das, was Wut auslöst, ist nicht zu erwarten, dies die Kalkulation derjenigen, welche Wut politisch bewirtschaften. Dabei geht es ihnen nicht darum, Lösungen für tatsächliche Probleme zu finden. Im Gegenteil, es geht ihnen darum, Ängste und Wut am Leben zu erhalten, um die Problemlagen eskalieren zu lassen. Und die Wutbürger*innen tun, was ihnen geheissen: ja keinen Schritt zur Problemlösung tun, mutlos verharren in Zukunftsängsten und eben, in Wut.

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Sollen resp. wollen Lösungen zu angstauslösenden Problemsituationen – ein zunehmend unberechenbares Klima, die Digitalisierung der Alltagswelt, die Millionen von Menschen auf der Suche nach einem würdigen Leben, der Verlust an Tier- und Pflanzenarten aber auch Hunger, Ungleichheit und Not – gefunden werden, ist Handeln und nicht Verharren nötig, und dies erfordert Mut (statt Wut). Schon bereit zu sein, sich mit Problemlagen auseinanderzusetzen, verstehen zu wollen, was Sache ist, sich zu konfrontieren mit Leuten, die betroffen sind und leiden, erfordert Mut. Ebenfalls mutig ist es, sich der eigenen Ängste gewahr zu werden, zu merken, dass sich etwas verändern soll und kann. Mutbürger*innen können nicht instrumentalisiert bzw. manipuliert werden. Sie denken, wollen verstehen und suchen Lösungen.

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Statt in Wut zu erstarren und zu ersticken mit Mut zu sich (den Ängsten, Sorgen und Erstrebenswertem), zu anderen (ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen) und zur Sache zu stehen, dies ist die Losung, dies muss die Losung sein.

 

Ein Gedanke zu „Mut statt Wut“

  1. EH hat kommentiert und auf die „Gilets jaunes“ aufmerksam gemacht, die wütig seien, aber sich gleichwohl äusserst mutig zeigten . Diese fordern gegenwärtig in Frankreich, wütend über die schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, Erleichterungen und politische Veränderungen fordern. Im Gespräch ist klar geworden, dass zwischen von politischen Kreisen instrumentalisierten Wutbürger*innen wie sie im Blog-Post erwähnt sind und den aus einer direkten Betroffenheit agierenden Menschen in Frankreich grundlegende Unterschiede bestehen. Die Demonstrationen in Frankreich sind nicht lediglich Ausdruck von Wut. Sie zeugen von Mut, aus direkter Betroffenheit gegen die von der Regierung verordneten Massnahmen aufzustehen und Veränderungen zu verlangen.
    Ebenso mutig sind die Zehntausenden von Schülerinnen und Schüler, die in der Schweiz und weltweit für die dringend notwendigen Massnahmen zur Einschränkung der klimaschädigenden Emissionen demonstrieren, wütig auch sie. Es sind nicht nur die von Schulbehörden angedrohten Massnahmen gegen die „Streikenden“, die Mut verlangen, es sind die konstruktiven Vorschläge, wie die Politik auf die bedenkliche Lage „endlich“ reagieren muss.
    Erstarrte, „mutlose“ Wut aus politischen Kalkül und Wut aus realer, direkter Betroffenheit und mutige Wut aus Betroffenheit und Veränderungswillen – zwei unterschiedliche Dinge.

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