„Second hand“ Kleider in Afrika

In der Basler Zeitung vom Samstag, den 31.3.2018 stellt der ehemalige Chef der SP-Schweiz, Helmut Hubacher, unter dem Titel «Der misshandelte afrikanische Kontinent» dar, wie afrikanisches Wirtschaften vom Norden und Osten (China) systematisch untergraben wird. Dass die Entwicklungszusammenarbeit nichts verändert habe, schreibt er dieser Zerstörung der lokalen afrikanischen Wirtschaft und der Korruption zu. Hubacher erwähnt in seiner Kolumne den Handel mit gebrauchten Kleidern, den «second hand clothes», der die lokale Textilindustrie zum Erliegen bringe.

https://qz.com/661463/a-chinese-garment-factory-is-helping-rwanda-wean-itself-from-western-hand-me-downs/

Er sagt, dass gut gemeinte Kleiderspenden  das Business von cleveren Zwischenhändlern unterstützen und  dass die lokalen Schneiderinnen und Schneider und Kleiderfabriken  mit der Billigstware nicht konkurrieren können. Dass verschiedene afrikanische Länder  immer wieder versuchen, diesen Handel zu unterbinden. Ruanda, Tansania und Uganda hätten eben beschlossen, diese Importe zu verbieten.

Hubacher greift in seinem Text Grundlegendes im weltwirtschaftlichen Gefüge auf, das letztlich mitverantwortlich ist, dass die afrikanische Wirtschaft nur zögerlich erfolgreich ist und dass die grosse Mehrheit der Afrikanerinnen und Afrikaner am Rand der wirtschaftlichen Existenz bleibt.

Der Altkleiderhandel ist ein vielschichtiges Beispiel. Was an sich gut gemeint ist …

https://www.npr.org/sections/money/2013/12/10/247362140/the-afterlife-of-american-clothes

… verkommt zu einem Geschäft für einige wenige und stellt die lokale Kleiderherstellung ins Abseits. Dies ist die Realität, aus Distanz betrachtet. Ja, und es sind vermutlich wirklich nur einige «high end» Produzentinnen und Produzenten, die mit exzellentem Design und Topqualität konkurrenzfähig bleiben können. Deren Klientel besteht jedoch ausschliesslich aus reichen Leuten und «Expatriates». Was Hubacher vermutlich aus Distanz nicht erkennt und was ich als «typisch afrikanisch» bezeichnen möchte:

http://www.taz.de/!5307054/

Tausende Leute können sich mit dem Kleiderverkauf als fliegende Händlerinnen und Händler ein kleines Einkommen sichern und unzählige Schneiderinnen und Schneider passen die importierten Gebrauchtkleider an die Körpergrössen der afrikanischen Käuferinnen und Käufer an.

https://www.npr.org/sections/money/2013/12/10/247362140/the-afterlife-of-american-clothes

Aber sicher: dies sind sehr prekäre und mit viel Unsicherheit behaftete Arbeitsverhältnisse, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Diese Leute befinden sich in vielen Ländern dauern auf der Flucht vor der Polizei, die den Gebrauchtkleiderhandel unterbinden will. Dass es viele Regierungen bisher nicht geschafft haben – oder schaffen wollten – den «second hand» Kleiderhandel zu unterbinden, liegt wohl auch daran, dass einige wenige und einflussreiche Leute die grossen Profite aus diesem Geschäft verdienen.

Neben der moralischen Frage, die wir uns im Norden bei unserem enormen Verbrauch an Kleidern stellen müssen, stellt sich auch eine ökologische: Viele der gespendeten Kleider sind aus Kunstfasern hergestellt, die bei uns als Sondermüll behandelt werden müssen. In Afrika landen solche Kleider letztlich irgendwo auf einer offenen Abfallhalde, …

http://jugendvision.com/umwelt–und-naturfilme/kaufen-fuer-die-muellhalde.html

… wo sie allenfalls in einem offenen Feuer verbrannt werden. Solche Feuer können extrem toxische Abgase produzieren! Auf solchen Abfallhalden leben und arbeiten oft Hunderte Menschen, die diese Gefahren nicht kennen. Kleider aus problematischen Kunstfasern gehören nicht in die Kleidersammlungen!

In Äthiopien haben wir einen weiteren Aspekt dieses Handels kennengelernt: Äthiopierinnen und Äthiopier  schämen sich, gebrauchte Kleider zu tragen oder tragen zu müssen, sie möchten schöne, neue Kleidern tragen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.