Tschadreise – Erlebnisse und Eindrücke von unterwegs

«Rien n’a changé» sagt die Einundachzigjährige während des ersten Pausenstopps auf unserer Fahrt von N’Djamena in den Zakouma Nationalpark. Zusammen mit ihrer Tochter und deren Familie besucht sie ihren Enkel, der in der Hauptstadt des Tschad die Gärten prominenter Leute, auch des Präsidenten, pflegt, einer der wenigen «expatriate« Unternehmer in diesem Land. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit im damaligen Fort Lamy, wo ihr Vater als Kommandant der französischen Kolonialtruppen diente. 1956 sah sie das Land zum letzten Mal und eben, nach diesen vielen Jahren sieht sie keine Veränderung.

Wenige Wochen vor dem Ende ihrer Zeit auf dem DEZA-Büro in N’Djamena treffen wir uns bei unserer Tochter Annalena für Familienferien zu viert! Nach einer etwas umständlichen Hinreise mit Übernachtung in Paris und einem Umweg über Casablanca empfängt uns Annalena freudig mitten in der (nächsten) Nacht. Unsere Vorfreude auf die beiden Wochen bei ihr und insbesondere auf die gemeinsame  «Safari» nach Zakouma ist gross.

Es ist kurz nach Sonnenaufgang. Wir stehen nach einer ersten Reiseetappe von 75 Kilometern am Rand der Hauptstrasse Richtung Osten, fünfzehn Leute aus Frankreich, Kanada,  Mauretanien, Libanon, der Schweiz und aus dem Tschad, mit unseren Begleitern, den Fahrern und den zwei bewaffneten Gendarmen. Eine erste Panne haben wir schon hinter uns, ein platter Reifen, es sollte auf unserer Reise in vier bequemen Fahrzeugen – Landcruisers und Prados – die einzige bleiben. Die «ordres de mission» und «permission de circulation» sind wichtige Dokumente, es könnte sein, dass eine der zahlreichen Polizeikontrollen genauer hinschauen möchte. Meistens winken uns jedoch die unter einem schattenspendenden Baum ruhenden «commandants de poste» mit einer lässigen Handbewegung durch, wenn nicht ein rangniedriger Polizist das Absperrseil bei unserer Ankunft löst. Wir sind voll freudiger Erwartung für den viertägigen Ausflug und fasziniert von der unendlich scheinenden Landschaft: trockene Bäume und Büsche, soweit das Auge reicht, bis an den weiten, flachen Horizont, durchziehende Rinderherden und später auch immer wieder Kamele, welche hier im Sahel nur einen Höcker haben, also zu gut Deutsch Dromedare sind.

Wir können uns kaum sattsehen an dieser Szenerie, auch als wir später an urtümlichen Bergen aus aufeinandergetürmten eierförmige Felsbrocken vorbeifahren.

Nach gut sieben Stunden und 500 Kilometern Fahrt machen wir in der kleinen Provinzstadt Mongo Mittagshalt. Vor uns liegen weitere 250 Kilometer Piste, was nochmals sechs bis sieben Stunden Fahrt bedeuten wird. In einem einfachen Gebäude gibt’s grilliertes Fleisch, dazu exzellenten «piment salé» und natürlich Brot. Unser Appetit ist gross und das für uns einfache Essen mundet uns gut. Für die Kinder hingegen, die draussen mit sauber glänzenden Blechnäpfen stehen, geniessen wir wohl ein Festessen, von dem sie nur träumen können. Von unseren Begleitern erfahren wir, dass diese Kinder, im Alter von schätzungsweise sieben bis vierzehn Jahren, von ihren Eltern in die Koranschule geschickt wurden. Die meisten dieser Schulen haben keine Mittel, um den Kindern, die dort im Internat leben, das Essen zu bezahlen. Deshalb müssen die Kinder um Geld oder auch um Essen betteln. Die Schule ist im Tschad nur zu einem kleinen Teil eine Sache des Staates. Zwei Drittel der häufig schlecht oder gar nicht ausgebildeten Lehrpersonen werden von den Eltern, den «Associations parents élèves» angestellt und entschädigt. Auch wenn die meisten tschadischen Kinder zur Schule gehen können, verfügen doch nur wenige über eine befriedigende Ausbildung. Ein Riesenhandicap für dieses weiterhin mausarme Land.

Auf der „staubigen“ Weiterfahrt begegnen wir den „nomades“, Viehzüchtern, die mit ihrem Hab und Gut übers Jahr hunderte Kilometer zurücklegen. Ihre Behausungen tragen sie mit sich und organisieren überall wo sie Halt machen ihr Leben neu.

Das Gras steht vielerorts hoch und die Hirsefelder sind abgeerntet, bereit für die Rinderherden. Erst wenn sich die Regenzeit ankündigt, wandern die Herden wieder nordwärts.

Kamelnomaden transportieren wie seit Jahrhunderten Salz aus dem Norden und bringen Getreide zurück in die saharischen Gebiete des Tschad. Wie lange werden wohl solche Waren noch auf den Rücken von Kamelen transportiert?

Mit den besseren Strassen übernehmen auch im Tschad zunehmend motorisierte Fahrzeuge diese Transporte !

Die Sonne ist bereits untergegangen als sich unser Fahrweg im hohen Savannengras buchstäblich verliert. Zudem liegt vor uns eine noch von der Regenzeit feuchte Stelle, die wir mit unseren Fahrzeugen kaum passieren können. Strassenarbeiter, die daran sind, die Strasse wieder fahrbereit zu machen, lotsen uns – jetzt in der Dunkelheit – durch den „Busch“, die Autos werden arg strapaziert. Wir wissen auch, dass wir bald den Zakouma Park erreichen würden.
Nach gut sechzehn Stunden ist es dann soweit, das runde Haus des Tinga Camp erscheint im Licht der Scheinwerfer. Zwei Tage „Tiersafaris“ stehen vor uns.

Wir starten jeweils um sechs Uhr morgens, …

… in der noch kühlen Morgendämmerung und am späteren Nachmittag, zur Sonnenuntergangstour.

Und, ja, wir haben viel Glück!

Der Park hat eine wechselvolle Geschichte. Dies darf nicht verwundern in einer der ärmsten Gegenden Afrikas, mit vielen internen Konflikten – die Region des Guéra und des Salamat war lange Jahre Rückzugs- und Operationsgebiet von Rebellengruppen – und, in den letzten Jahren, Flüchtlingen aus dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik. Die Parkleute arbeiten heute mit anderen Naturparks in Ost- und Südafrika zusammen und es gelingt ihnen auch, Tiere wieder anzusiedeln. Demnächst sollen aus dem südlichen Afrika Nashörner nach Zakouma umgesiedelt werden.

Die Tierschutzbehörde kontrolliert die Bestände und markiert zu diesem Zweck einzelne Tiere, vorab Elefanten. Tierwächter – auf dem Photo abgebildet – sind dauernd im Park unterwegs, um Wilderern zuvor zu kommen.

Die internationale Elfenbein- und Nashornmafia ist auch im Tschad am Werk.

Unser „guide“, ein ausgebildeter Wildtierexperte, führt uns nicht nur zu den verschiedensten Tieren sondern erläutert uns auch, was sie alles vorkehren würden um die Tiere zu schützen. Dies soll auch Tourist*innen anziehen und damit für die Leute der Gegend eine Einkommensgelegenheit schaffen.

Wir verlassen drei Tage später den Park wieder, drei Tage ohne „Netz“, beeindruckt von dem was die Natur uns bieten kann …

… und von der freundlichen und professionellen Betreuung in der Lodge und auf den „Safaris“.

Auf der ebenfalls sechzehnstündigen Rückfahrt wird uns nicht langweilig, die farbenfrohen Märkte in den Dörfern, die majestätischen Kamelkarawanen entlang der Strasse, die bizarren Berge und die unbegrenzte Weite der Savanne faszinieren uns wie auf der Hinfahrt.

„Love is in the air“

Einige Tage später
„Les rochers des éléphants“ – urtümliche Felsen mitten in der unendlichen Weite unweit des Tschadsees. Dorthin führt uns ein weiterer, eintägiger Ausflug.

Kaum steigen wir aus dem Auto, rennen viele Kinder in ihren farbigen Kleidern zu uns! Woher die auch alle herkommen? Wir sind doch durch – vermeintlich – menschenleere Gegenden gefahren? Gleich geht’s ans Klettern.

 

 

 

 

 

 

Und wir bleiben „spannend“ für die Kinder!

Immer wieder die grossartigen Abendstimmungen, eine Abschied vom Tag aber auch ein unvergesslicher Moment fürs Leben.

AU REVOIR!

 

 

 

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