Mit erhobener Faust in die Offensive

Am 10. Januar 2018 lehnte die Staatspolitische Kommission des Nationalrats mit 16 zu 9 Stimmen den Vorstoss von Nationalrätin Maya Graf ab, in der Verfassung festzuschreiben, dass die Geschlechter im Bundesrat angemessen vertreten sein müssen.

In der Bundesverfassung, in Artikel 175 steht, dass die Bundesversammlung bei der Wahl des Bundesrates darauf Rücksicht zu nehmen hätte, «dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind.» Offenbar ist die Tatsache, dass die Schweiz erst von 7 Bundesrätinnen mitregiert wurde (gegenüber 110 Männern) kein Grund, «Rücksicht zu nehmen».

«Haarsträubend» – geht es uns durch den Kopf! Es geht nicht einmal um eine Quote sondern «lediglich» um «Rücksichtnahme».

«Die Frauen gehen in die Offensive» titelte daraufhin beispielsweise die Aargauer Zeitung.

Aargauer Zeitung vom 12.1.2018

Recht so, denken wir und zum Glück schliessen sich dieser Offensive auch Männer an!

Ein Gedanke zu „Mit erhobener Faust in die Offensive“

  1. Der bisher einzige Eintrag, dessen Materie mir gleich vertraut vorkam, war Mit erhobener Faust in die Offensive. Und ausgerechnet dort passierte mir zu Anfang ein lustiges Missverständnis. Bevor ich überhaupt den Text las, sah ich die kleine Illustration gleich nach dem Titel und interpretierte sie spontan als Frau, die eifrig ein dreieckiges Fenster putzt!

    … Nach dem Lesen des Textes wurde mir der Grund für die Unstimmigkeit meiner Interpretation sofort klar – und damit auch die grosse Wandlung, die das Bild von der Stellung der Frau in Staat und Gesellschaft seit meiner „Schweizer Zeit“ durchgemacht hat. Ich bin noch ohne politische Rechte aufgewachsen, in einer Welt, da vielen jungen Frauen sogar das Erlernen eines Berufes nach Begabung und eigenem Ermessen versagt war, und wo, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, das ZGB verheirateten Frauen nicht einmal die Verwaltung ihres eigenen Vermögens zugestand usw. usf.

    1958 erschien das Buch „Frauen im Laufgitter“ der Juristin, Journalistin und Frauenrechtlerin Iris von Roten. Sie forderte darin scharf und pointiert Gleichstellung von Mann und Frau auf allen Gebieten. Damit entfachte sie einen gewaltigen Sturm der Entrüstung. Aufrechte Patrioten prophezeiten den Untergang der Schweiz und aller abendländischen Werte, und auch viele Frauen wollten nichts von diesen Ideen wissen. 1959 scheiterte ein erster Versuch, das Frauenstimmrecht auf Bundesebene einzuführen, im Verhältnis 2:1.Im Jahre 1971 aber war die Zeit reif geworden, und die Schweizer Frauen erhielten volle Rechte, auch 2 : 1.

    Warum ich so ausführlich auf dieses Thema eingehe? Weil ich es als Schulbeispiel für die Art sehe, wie sich in der Schweiz politische Entwicklungen vollziehen. Alles geht sehr langsam, sehr bedächtig, Schritt für Schritt vor sich. Wer sieht, wie flott Neuerungen in manchen anderen Ländern umgesetzt werden, während es im Schweizerlande harzt und harzt, wie sich anscheinend nichts bewegt, der wird manches eben haarsträubend finden, darüber manchmal fast verzweifeln, und bereit sein für die gute Sache, für sein dringendes Anliegen auf die Palisaden zu steigen Wer aber nach einer gewissen Zeitspanne zurückblickt und dadurch Perspektive gewinnt, wird mit Verwunderung feststellen, dass sich doch vieles getan hat. „Ed eppur se muove“ („Und sie bewegt sich doch“)
    Die SRF3 input-Sendung 40 Jahre Frauenstimmrecht: Wie Frauen politisieren (6.Febr. 2011) lässt uns staunend der grossen Evolution innewerden, welche die Schweiz auf vielen Gebieten, nicht nur politisch, gewandelt hat und langsam, auf nachhaltige Weise, weiter wandelt. Schaut sie Euch an, sie ist ein richtiger „eye-opener“! Es wird auch überzeugend dargestellt, wie die frauliche Sichtweise und Art des Vorgehens das politische Leben allgemein bereichern.

    Das ist ermutigend und zeigt: Für ein Anliegen zu kämpfen hat Sinn, aber die erhobene Faust ist nicht unbedingt nötig, und es geht sogar ohne Demagogie. In dieser Hinsicht ist mir der Satz <>ziemlich aufgestossen. Ich bin zwar auch der Ansicht, die Frauen sollten angemessen vertreten sein, aber meine, das werde sich nach und nach einpendeln. Das Argument von den 110 Bundesräten und den 7 Bundesrätinnen finde ich fehl am Platz und irreführend, sprich demagogisch. Die 110 Bundesräte schliessen alle ein, die seit 1848 amteten oder noch amten. Bundesrätinnen wurden aber erst 1971 wählbar, und die erste Frau wurde gar erst 1984 gewählt. Seit 1971 sind gerade mal 23 Bundesräte und 7 Bundesrätinnen gewählt worden, seit 1984 gab es bloss 15 neue Bundesräte und 7 Bundesrätinnen. – für den Anfang gar nicht schlecht. Vom 1. Nov.2010 bis zum 31. Dez. 2011 waren Frauen sogar in der Mehrheit (vier von sieben); zudem war die Bundeskanzlerin in dieser Zeit eine Frau Eine festgeschriebene Quote scheint mir da unnötig, das entscheidende Kriterium sollte – bei Frauen und Männern – die Eignung sein.

    Noch eins wäre in diesem Kontext zu bedenken Die Schweiz ist föderalistisch aufgebaut. Nicht alle Macht ist im Bundeshaus konzentriert. Auf vielen Gebieten sind die Kantone zuständig. Also müssten wir, um ein umfassenderes Bild des fraulichen Einflusses in der Schweiz zu bekommen, auch untersuchen, mit welchen Anteilen die Frauen in den Legislativen und den Exekutiven der Kantone vertreten sind. Wie steht es da?

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